Immer wieder sonntags

Der erste Blogpost von Hand geschrieben

Der erste Blogpost von Hand geschrieben

Wer was auf sich hält, so als Großstadtbewohner, der muss Flohmärkte lieben. Deshalb tue ich das vorsichtshalber auch. Es ist Sonntag, die Sonne lacht vom Himmel, gerade so als habe sie Paul Maar gelesen. Natürlich schlendern wir nach den erfolgreich absolvierten Programmpunkten „lange Ausschlafen“ sowie „ausgedehnt Frühstücken“ über den Flohmarkt. Vorher stelle ich mir das immer so nett vor. Ich sehe dezenten Trubel vor mir, Stände mit alten und mittelten vor allem aber ganz entzückenden Dingen: Schimmernden Perlmuttknöpfen, chabby-schicken Kommoden, rosenbemustertem Porzellan. Tatsächlich ist es dann meist zu voll und die alten Sachen sind wirklich alt. Außerdem zeigt sich mal wieder: Es hat Gründe, wenn Leute sich von Dingen trennen. In der Regel kann ich diese Gründe ganz wunderbar nachvollziehen. Ich will nämlich auch keine muffigen Pullover anziehen, ich brauche gar keine Kommode im schiefen Charme der Siebziger und was an den Knöpfen schimmert, sind höchstens die abgeschlagenen Ecken.

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Wir Glücklichen

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Uns fehlt im Deutschen ein Wort für Schicksal. Was hat’se denn nun, werden Sie vielleicht denken. Da ist es doch: Schicksal. Gerade hingeschrieben, was war daran so schwer? Schicksalsschwer klafft genau hier die Lücke. Schicksal klingt nach Vorbestimmung, Schwere, Unausweichlichkeit. Was ist aber mit all den Dingen, die einfach so passieren, die einfach sind? Weder schwer schlimm noch grandios toll sind? Die sind ja auch in meinem Leben. Und natürlich

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12 von Zwölf

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Kennen Sie den Moment, wenn man aufwacht und ganz aufgeregt ist von der Aussicht auf die drölfzig Projekte, die einen an diesem wundervollen Tag erwarten? Eigentlich weiß ich von Anfang an, dass das unmöglich alles klappen kann an einem einzigen Tag. Aber dann denke ich immer, ach was, fange ich einfach mal vorne an. Allerdings nimmt schon die Frage, worauf ich am meisten Lust hätte, bemerkenswert viel Raum und Zeit ein. Priorisieren geht anders. Allein, alle Vorhaben sind toll. Und dann, in einer Art Übersprungshandlung mache ich erst mal etwas total Nebensächliches:

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Bornholm

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Privat mache ich drei verschiedene Arten von Urlaub.
Erstens Reisen: Ich fahre irgendwohin, wo ich noch nie war, besichtige vielleicht ein paar Sehenswürdigkeiten, vor allem aber mache ich gerne ganz normale Sachen. Ich gehe zum Beispiel

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andernorts gerne in den Supermarkt und schaue mir so Lebensmittel an. Das ist gar nicht so unlustig, vor allem, wenn man der Landessprache und der Schrift nicht mächtig ist. Sachen, die so aussehen, als könne man sie ohne vorheriges Kochen gleich essen, kaufe ich von Zeit zu Zeit. Manchmal versuche ich vorher rauszufinden, ob das Nahrungsmittel süß oder salzig ist, manchmal nicht.

Zweitens fahre ich gerne Menschen besuchen. Ich habe das Glück, dass mein kleiner Bruder in London lebt (vorher wars Toronto, davor Hongkong), meine Patentante in Lissabon, Studienfreunde in Lyon, allerbeste Freunde in der Bourgogne, ein guter Freund in Argentinien, eine andere Freundin in Chile. Gerne auch mehrmals, das hat den Vorteil, dass man vorher bei besagten Freunden und Anverwandten Lieblingsveranstaltungen bestellen kann. „Wenn ich komme, müssen wir unbedingt in dieses kleine Fischrestaurant, wo sie diesen superleckeren Stockfisch machen.“ Oder: „Lass uns zu diesem Winzer fahren.“ „Können wir bitte, wieder in diesen Jazzclub.“ Lustigerweise gehe ich auch dort gerne in Supermärkte oder zu anderen stinknormalen Aktivitäten. Ich finde ja auch Besuche im örtlichen Schwimmbad toll. Neinnein, nicht in einem Spaßbad oder ein Wellnessbad, nix mit heißen Quellen und Anwendungen, lieber so ein Normalobad mit 25-Meter-Bahnen.

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Arvid aus Afghanistan

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Ich habe Arvid* vor ein paar Monaten kennen gelernt. Vor vier Jahren, da war er gerade mal 16 Jahre alt, hat er sich alleine auf den weiten Weg von Kabul nach Hamburg gemacht. Er ist in einer Großfamilie aufgewachsen, wie wohl die meisten Afghanen. Recht streng ging es da zu, kleine Kinder sollte man sehen aber nicht unbedingt hören können. Das hat er mir neulich erzählt, als eine Gruppe Kleinkinder lärmend um die Tische und Stühle im Café herum sauste. So etwas hätte er mit vier, fünf Jahren nicht gewagt.

Asien im Gesicht, aber Hamburg in der Stimme

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Die Eisprinzessinnen

Eis im Hörnchen

Eigentlich war ich mit dem Thema Eistest soweit durch, dachte ich. Den ganzen letzten Sommer hatte ich mich für Sie aufgeopfert und nach den besten Eisdielen der Stadt gefahndet. Ich hatte eine erkleckliche Menge Kugeln Stracciatella, Vanille, Schokolade, Mousse au Chocolat, Mango Sorbet, Cassis Sorbet, Joghurt-Kirsch, Tartuffo, Salz-Karamell, Gurke (jaa, auch sowas wird hergestellt und es ist erstaunlich… gut) verspeist. Ich kannte mich in Hamburgs Eisdielen aus, dachte ich. Hatte meinen persönlichen Lieblingsladen (Luicella’s!) gefunden, mehr brauchte ich nicht zu wissen.

Aber dann hörte ich irgendwo

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Durch die Glaskugel gesehen

Welt in der Kugel

Wenn ich richtig begabt im Fotografieren wäre, würde ich vielleicht ein wenig herablassend auf mich und mein neues Foto Spielzeug hinabschauen. Ich dächte dann vielleicht, billige Effekte brauchen vor allem diejenigen, die keine überzeugenden Bild–Ideen haben. Und vielleicht dächte ich auch: Ein Bild sollte seine eigene Erzählkraft haben. Die Geschichte, die das Bild erzählt, braucht kein Chichi, sondern sie entsteht durch den Bildaufbau, seine Dynamik, die Farben, die Stimmung. Solche Sachen eben. Dochdoch, die würde ich sicherlich denken.

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Der Pfau – Urlaubslektüre für einen verregneten Sommer oder jede andere Gelegenheit

Sonnendruchtränkter Küchentisch mit Pfau

Ich stelle an mir zunehmend eine Tendenz zum verfeinerten Geschmack fest. Wahrscheinlich sind dieses Internet und all die neuen Technologien* schuld. Jedenfalls kaufe ich in meiner Lieblingsbuchhandlung entweder schöne Bücher – also von außen schöne Bücher, ob sie innerlich passen, wird sich im Laufe des Lesens heraus stellen – oder nix. Allen anderen Lesebedarf, Fachbücher, Krimis, Liegestuhl-Lektüre (schnell zu lesen, schnell zu vergessen, dazwischen aber ganz unterhaltsam, jedenfalls wenn man es nicht zu oft macht) erwerbe ich elektronisch.

Sehr schön gemacht ist der rot-weiß-blaue Roman Der Pfau.

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Oops, I dit it again

Afrikanische Tiere

Blog Anfang

Als ich angefangen habe zu bloggen, hatte ich noch druckschwarze journalistische Ansprüche in mir. Ein einmal veröffentlichter Text steht für sich selbst, fand ich. Allenfalls kleine Tipp- oder Rechtschreibfehler durften nach Hinweisen in den Kommentaren mit Verweis auf die nachträgliche Änderung verbessert werden. Soweit, dass ich seltsame Wortkonstuktionen wie Wirtlonstruktopnen oder Wprtkpnstruktiom oder wOrtkpnstritktion stehen ließ, ging der Anspruch an das ursprüngliche Veröffentlichungsdatum dann doch nicht. (Nebenbei bemerkt, es ist interessant, wie lange der Leser noch das gemeinte Wort und nicht das tatsächliche getippte lesen kann. Probieren Sie es aus.)

… und was draus geworden ist

Aber seit den Anfangstagen des Mathilde MAG hat sich die Elbe schon viele Tage ins Meer geschüttet und die Ansprüche damit irgendwie auch.
Gestern war es wieder soweit. Mein Artikel Selbstgemachter Aktivurlaub erfreute die Leser weitgehend. Bis auf die Kleinigkeit, dass ich dem Fluss Unstrut durchweg und konsequent ein h am Ende geschenkt hatte, wo sie – also die Unstrut (sic!) –nun mal keines hat. Also änderte ich das. Es ist ja auch ein bisschen peinlich, wenn man sich nicht mal merken kann, wie der Fluss, auf dem man ein paar Tage fröhlich gerudert ist, nun genau heißt. Wo ich schon mal dabei war, las ich den Text noch mal rasch durch. Und siehe da, hier gab es ein besseres Verb als das, welches ich ursprünglich geschrieben hatte, dort noch eine elegantere Formulierung. Und schwupps, hatte ich drei bis fünf Stellen im Text verändert. Ein klein wenig liest er sich besser als zwei Tage zuvor, meine ich. Schlimm?

  • P.S. Was das Bild mit dem Text zu tun hat? Das weiß ich doch nicht! Ich hatte es nur gerade auf dem Schreibtisch, fand, es hatte was und ein anderes Bild, das mehr nach Blog Anfang und Veränderung aussieht, fand sich nicht.
  • 12 von Zwölf

    Es ist der 12. des Monats. Zeit den Tag in zwölf Bildern zu erzählen, so wie viele andere auch. Heute ausnahmsweise auch in zwölf Liedern. Schauen wir gemeinsam, wohin uns das führt?

    1 Verschwende Deine Zeit - Morgenkaffee

    Erstens: Morgens sollte ich aufstehen, aber erst muss ein wenig Zeit verschwendet werden.

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